Rückblick 2008 - Stiftung "Baudenkmal Ratskirche St. Martini zu Minden" - Rückblick 2008
Logo Stiftung

Rückblick 2008


Hände
geben und nehmen,
Hände
beten und segnen,
Ihre offenen
Hände
unterstützen, was zur Schönheit der Stadt gehört.

Ein gutes Stück Minden bewahren.






„Vortrag anlässlich des Martinsgansessens der Stiftung Baudenkmal Ratskirche St. Martini zu Minden,
gehalten am 11.11.2008 im Martinihaus von Dr. Hans Nordsiek, Minden.“

Von der Königswahl zur Martinistiftung - Die Kirche St. Martini - ein Jahrtausend in Minden

Das ist „ein weites Feld“, fast eine „unendliche Geschichte“ oder, ohne literarische Assoziationen, das sind viele Themen der Geschichte.

·    Die Martinikirche ist die Kirche eines mittelalterlichen Kollegiatstifts.
·    Die Martinikirche ist die Grabeskirche dreier Mindener Bischöfe.
·    Die Martinikirche ist die Kirche einer mittelalterlichen Pfarrei.
·    Die Martinikirche ist die Kirche eines bischöflichen Archidiakons und Richters.
·    Die Martinikirche ist die Kirche der Mindener Bürgerreformation 1530.
·    Die Martinikirche ist die Kirche einer lutherischen Kirchengemeinde seit dem 16.Jahrhundert.
·    Die Martinikirche ist die Ratskirche, also die Kirche der städtischen Führung.
·    Die Martinikirche ist ein Stadtbild prägendes Baudenkmal.

Und dennoch: Die Martinikirche ist eine Kirche ohne erforschte Geschichte, und daher ist ihre Bedeutung unbekannt, auch wenn die Baugeschichte der Kirche inzwischen genauer untersucht worden ist. Unwissenheit und fehlende Kenntnisse haben Folgen, oft negative. Immerhin bezeichnete man noch im 19. Jahrhundert St. Martini als die ev. „Hauptkirche“ nicht nur der Stadt, sondern auch des gesamten Kirchenkreises Minden. Die Martinigemeinde war, wie die Jahresberichte des Superintendenten ausweisen, mit Abstand die größte Kirchengemeinde des Kirchenkreises. Die St. Martinikirche ist bis heute das größte ev. Kirchengebäude im Kirchenkreis Minden und auch im Landkreis Minden-Lübbecke.

Als 1987 der Künstler Wilfried Hagebölling sein Keilstück-Kunststück auf dem städtischen Martinikirchhof setzen ließ, äußerte er sich bei der Beschreibung und Interpretation seines Keilstücks nur über den „Platz“ d.h. den Martinikirchhof, nicht über Bedeutung und platzbildende Funktion der benachbarten großen mittelalterlichen Hallenkirche; die hielt er für belanglos und für nicht erwähnenswert. Wichtig war für ihn, dass „die noch vorhandenen räumlichen und mentalen Restenergien des Platzes im Inneren der Skulptur gebündelt, komprimiert und abgestrahlt“ werden.
Mit der „Bündelung der Restenergien“ im Keilstück wurde es nichts, aber mit der ständig notwendigen Abstrahlung (Säuberung) von sekundärer Verschönerungskunst auf den Stahlplatten des Keilstücks auch nichts.
Nach der Fertigstellung des Band 50 der Bau- und Kunstdenkmäler Westfalens mit vielen Teilbänden, die sämtliche Bauten der Stadt Minden dokumentieren, kann man nun im Einleitungsband des Unternehmens über die Martinikirche lesen:
„Die Gründung des Kanonikerstifts einschließlich der Martinikirche erfolgte nach nicht gesicherten Quellen im 11. Jahrhundert. Stifter war wahrscheinlich Bischof Sigebert….1022-1036“.

Dieser Satz ist in mehrfacher Hinsicht unzutreffend. Die nicht gesicherten Quellen liegen höchst gesichert in verschiedenen deutschen Archiven und Bibliotheken; sie sind sogar in wissenschaftlichen Ausgaben publiziert. Der Autor meinte offenbar etwas anderes: Aus den vorhandenen Quellen lassen sich keine gesicherten Kenntnisse über den Gründungszeitraum ermitteln. Aus der Sicht der Geschichtswissenschaft ist die Behauptung, die Anfänge seien unklar, nicht akzeptabel, und sie zeigt eigentlich nur, dass es viel früher, als jetzt geplant, nötig gewesen wäre, das „unbekannte Jahrtausend“ dieser Kirche zu erforschen.
(Anm.:
Es erschien wünschenswert, eine Abhandlung auf die Historie der Martinikirche zu schreiben,
was in der Folgezeit geschah und welche am 31. Oktober 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Titel:
Ratskirche St. Martini Minden, Ein Jahrtausend Kollegiatstift - Pfarrei - Gemeinde
- Details können Sie ersehen unter dem Punkt: Buchvorstellung -)


Um ein Ergebnis der Quellenkritik vorwegzunehmen: Die einschlägigen Quellen, zwei Urkunden des ersten Kaisers aus der Dynastie der Salier vom 13. April 1029, ausgestellt in Regensburg, und vom 2. Juli 1033, ausgestellt in Merseburg, sind gesichert, ihre Echtheit und ihr Quellenwert sind gesichert, ihre Aussage oder Inhalt sind wissenschaftlich überprüft und abgesichert.

Der Name des Gründers des Martinistifts ist eindeutig erforscht und der Gründungszeitraum, der übrigens ein längerer Prozess von kirchenrechtlichen Schritten gewesen ist, ist eindeutig erkennbar. Es ist Bischof Sigebert von Minden. Er gründete das Martinistift Minden um das Jahr 1026.

Die Anfänge des Martinistifts sind nicht nur aus zwei Kaiserurkunden belegt, sondern auch durch zeitgenössische Persönlichkeiten, die als Befürworter oder Zeugen in beiden Urkunden genannt werden, bestätigt worden. Alle Personen haben 1029 und 1033 gelebt und hatten jenen Rang oder jene Funktion, die ihnen in den Urkunden zugelegt werden.
Es sind: Kaiser Konrad , die Gemahlin und der Sohn des Kaisers sowie die beiden Erzbischöfe Aribo von Mainz und Pilgrim von Köln und Bischof Bruno von Trier. Die handelnden Personen und ihre Absichten passen exakt in den Kontext der Ereignisse der deutschen Geschichte des frühen 11. Jahrhundert.
Es handelte sich hier also nicht um Urkundenfälschungen zur Erfindung einer großartigen Tradition oder vornehmen Gründungslegende, sondern um die schriftliche Fixierung von Rechtsgeschäften und Eigentumsrechten durch die Hand des Kaisers.

Beide Kaiserurkunden hatten allein die Funktion Rechtssicherheit zu garantieren und sind deswegen als älteste Dokumente bzw. Texte im Archiv des Kollegiatstifts St. Martini Minden aufbewahrt worden. Dieses Archiv umfasst weitere 480 Originalurkunden, 475 Aktenbände vom 14. bis 19. Jahrhundert sowie 13 alte Handschriftenbände mit einigen hundert Abschriften von weiteren Urkunden des Martinistifts. Alle diese Quellen zur Geschichte Mindens und seines Martinistifts liegen wohlverwahrt im Staatsarchiv Münster. Sie ruhen dort, seitdem sie 1852 aus der Regierung Minden dorthin gebracht worden sind. Kaum ein Historiker hat sie aber in ihrer Ruhe bisher gestört.

Für welches Kollegiatstift des frühen 11. Jahrhunderts lässt sich die Gründung schon mit ausführlichen Kaiserurkunden belegen, wie es für St. Martini Minden möglich ist?
Viele vergleichbare Stifte haben lediglich Gründungslegenden, Heiligenviten oder indirekte Indizien für ihre Gründung vorzuweisen, archäologische Forschungen konnten bisher auch nur punktuell in Einzelfällen, nicht aber flächendeckend an allen einschlägigen Orten der kirchengeschichtlichen Landschaft des Mittelalters erfolgen.

Bischof Sigeberts Grab wurde jedenfalls nicht ergraben; für Sigebert hat kein Geistlicher im Mittelalter eine Bischofsvita geschrieben und kein frommer Stiftsherr erfand für das Martinistift eine Gründungslegende.
Dennoch ist aber Bischof Sigebert von Minden durch das, was er zu Lebzeiten getan hat und was er der Nachwelt hinterlassen hat, durchaus bekannt. Und für die Kirchengeschichte, die Kunstgeschichte und die Bibliotheksgeschichte hat er eine überregionale Bedeutung.
Seine von ihm einst dem Mindener Dom gestifteten kostbaren Codices, liturgische Bücher, mit der Hand auf Pergament geschrieben, mit Miniaturen, Edelmetall, Edelsteinen und Elfenbeinschnitzereien geschmückt und eingebunden, sind von außerordentlicher künstlerischer Bedeutung und haben internationalen Rang. Die Codices befinden sich heute in den Bibliotheken von Berlin, Krakau und Wolfenbüttel.

In einer dieser Handschriften befand (!) sich auch eine farbige Miniatur Sigeberts. Das Bild dieses Mindener Bischofs wird heute in der Staatsbibliothek Berlin SPK. verwahrt.
Warum?
Weil das Porträt Sigeberts von Minden fast tausend Jahre alt ist und weil es überhaupt das älteste individuelle Porträt eines deutschen Bischofs ist, das die Kunstgeschichte kennt.

Vielleicht war der Mann eitel, ganz sicher aber war der Mann eine bedeutende Persönlichkeit. Das zeigt auch die Vorgeschichte der Martinistiftsgründung; sie ist nämlich ein Kapitel der deutschen Reichs- und Kaisergeschichte.
Und dieses Kapitel wird zentral im Stammesgebiet der Sachsen an der Mittelweser, genauer in Minden zur Weihnachtszeit 1024 geschrieben.

Im Sommer dieses Jahres war der kinderlose Kaiser Heinrich II., der letzte Herrscher aus der sächsischen Dynastie der Ottonen, gestorben. Als dann im September der Franke Graf Konrad aus dem Geschlecht der Salier zum neuen deutschen König gewählt wurde, blieben die sächsischen Königswähler, der sächsische Hochadel aus Westfalen, Engern und Ostfalen dieser Wahl fern.
Sie verlangten von dem Salier Konrad aus der Pfalz vor ihrer Zustimmung zu seiner Königswürde zunächst die Bestätigung des sächsischen Stammesrechts, und zwar auf einem Hoftag auf sächsischem Boden!

Dieses Treffen fand Weihnachten 1024 statt.
Da aber sowohl der deutsche König als auch die Oberhirten aus den deutschen Diözesen einen hohen Feiertag im Dom einer Bischofskirche zu feiern pflegten, wurde Bischof Sigebert von Minden der von beiden Seiten akzeptierte und anerkannte Gastgeber für dieses politisch schwierige Treffen des salischen Königs und des sächsischen Adels.

Kurz vor Weihnachten 1024 erreichte Konrad mit seiner Familie und seinem Gefolge Minden.
Er kam in einen zentralen Ort Sachsens, der nicht nur ein Bischofssitz war und einen Dom hatte, sondern seit den Tagen Karls des Großen auch über einen pfalzartigen Königshof verfügt haben muss, der bei Kaiser- und Königsbesuchen in Minden zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert die kurzfristige Wohnung und Residenz des Herrschers und seines Gefolges gewesen sein muss.
Ob der Königshof im Bereich des späteren Martinistifts gelegen hat oder an anderer Stelle, ist bisher nicht erforscht. Es spricht aber vieles dafür, dass die Reliquie des „fränkischen Staatsheiligen Martin“ schon vor der Gründung des Martinistifts vorhanden gewesen ist, vielleicht in einem Altar einer Kapelle an dieser Stelle.

Wer von den 1024 in Minden anwesenden Persönlichkeiten schon bei der Anreise nach Minden zum königlichen Gefolge gehört hat und wer von ihnen als „Einzelperson“ nach Minden reiste, ist nicht bekannt. Auch die Namen der Teilnehmer des Mindener Hoftages sind nur zum Teil überliefert.

Durch die Urkunden von 1029 und 1033 ist belegt, dass Gisela, die Gemahlin des Königs, und der Sohn des Königspaares, der junge König Heinrich III. zur Begleitung Konrads gehörten und 1024 in Minden waren. Aus anderen Quellen des 11. Jahrhunderts ist ermittelt worden, wer außerdem auf dem Hoftag in Minden anwesend gewesen ist:
·    Herzog Bernhard II. von Sachsen aus dem Geschlecht der Billunger,
·    Erzbischof Aribo von Mainz,
·    Erzbischof Pilgrimvon Köln,
·    Erzbischof Unwan von Hamburg-Bremen,
·    Erzbischof Hunfried von Magdeburg,
·    die Bischöfe Bruno von Augsburg,
·    Hildeward von Zeitz (später Naumburg),
·    Luico von Brandenburg,
·    Meinwerk von Paderborn,
·    Wigger von Verden,
·    die sächsischen Grafen Hermann und Siegfried,
·    sowie sehr wahrscheinlich die beiden Töchter des früheren Kaisers Otto II., nämlich Adelheid, Äbtissin von Gernrode und Quedlinburg, und Sophia Äbtissin von Gandersheim und Essen.

Sicherlich war der Hochadel der Region in Minden anwesend, etwa die Edelherren und Grafen aus der Diözese Minden, die Vasallen, Vögte oder Lehnsleute des gastgebenden Bischofs Sigebert waren.

Die politisch-diplomatische Leistung Sigeberts von Minden, die zum Erfolg für beide Seiten beigetragen hatte, vergaß der salische König nicht. Der sächsische Bischof hatte sich durch besondere „Königsnähe“ ausgewiesen.
Denn erst mit der sächsischen „Nachwahl“ in Minden war Konrad II. rechtmäßiger deutscher König geworden. Erst nach dem Mindener Ereignis wurde der Weg frei für die Krönung des Saliers Konrad zum Kaiser des Hl. Römischen Reiches 1027.

Die Geschichtswissenschaft hat die Huldigung und Anerkennung Konrads als König durch den sächsischen Adel in Minden als „Fortsetzung der Königswahl von Kamba“ bezeichnet. Sie war auch das Ergebnis der Diplomatie des Mindener Bischofs Sigeberts.

Auf diesem politischen Hintergrund und unter Einfluss dieser günstigen Atmosphäre bat damals Bischof Sigebert den neuen König um „Königsgut“ für die Gründung eines Kollegiatstifts und bekam es. Er gründete das Kollegiatstift St. Martini mit der dazugehörenden Kirche in Minden, und der Kaiser bestätigte die Gründung mit zwei Urkunden 1029 und 1033.Diese Stiftskirche steht in baulicher Veränderung noch heute und dient nach einem Jahrtausend noch immer dem Gottesdienst und der Pflege der Kirchenmusik.

Nach zahllosen Stiftungen von Bürgern, Gemeindemitgliedern, von Bürgermeistern, Ratsherren, Kaufleuten, Erben und Nachlassverwaltern, die der Stifts- und Pfarrkirche St. Martini im Laufe der Jahrhunderte zugute kamen, nimmt diese Tradition des bürgerschaftlichen Stiftungsengagements eine neue, rechtlich selbständige Stiftung wieder auf. Diese Stiftung „Ratskirche St. Martini“ hat Sie, meine Damen und Herren, heute Abend zum „Martinsgansessen“ eingeladen, am Tag des Kirchenpatrons,
am 11. November 2008.

Selbst dieses Essen hat, wie Sie der Einladung entnehmen können, einen Vorläufer schon in mittelalterlicher Zeit. Die „Fratres“ oder Brüder des Domkapitels Minden sollten, so bestimmte Bischof Sigebert 1033, mit oder ohne Bischof jährlich einmal die Martinitreppe hinaufsteigen zum gemeinsamen Mal mit den Martinibrüdern im Remter des Martinistifts.

Der Bischof ist uns hier in Minden als späte Folge der Reformation im Westfälischen Frieden 1648 abhanden gekommen. Die kurfürstlichen und königlichen Rechtsnachfolger der Bischöfe aus Berlin kamen selten am 11. November nach Minden, zum Essen mit den Domkapitularen kamen sie nie. 1810 wurden das Domkapitel und das Martinikapitel von König Jerome in Kassel aufgelöst und das Stiftsvermögen wegen der Finanzkrise des Königreichs Westfalen eingezogen.

Unbeschwert von der historischen Krise1810, werden Sie sich heute, so hoffe ich, als würdige Nachfolger jener Domkapitulare sehen, die früher zum gemeinsamen Mal in das Martinistift gekommen sind. Die Analogie zu Domherren muss niemanden heute verunsichern. Die Herren damals waren ja keineswegs Heilige und nur wenige hatten geistliche Weihen. Nach 1530 wurde das Domkapitel Minden allmählich von protestantischen Adeligen unterwandert. Die Unterwanderung führte zu einer überkonfessionellen Gemeinschaft, die sich durch ihre Pfründen, d.h. durch ihren Lebensunterhalt verbunden fühlte.

Es ging also um Geld von der Kirche. Zwischen den Domherren damals und Ihnen heute gibt es aber doch einen fundamentalen Unterschied. Damals ging es um Geld für die Domherren aus dem Vermögen der Kirche. Heute geht es um Geld privater Stifter für die Kirche bzw. für den Erhalt eines Kirchenbaues, der Martinikirche!

Die Bedeutung dieser fast 1.000 Jahre alten Kirche erschließt sich jedoch nur zum Teil durch ihre Baugestalt, sie erschließt sich durch ihre topografische Lage und durch ihre Geschichte, die ja zugleich Kirchen-, Stifts-, und Pfarrgeschichte ist.
Durchaus überraschend ist aber außerdem die Erkenntnis, dass die Gesamtgeschichte der Institution St. Martini über ein Jahrtausend quasi einen Mikrokosmos der deutschen Geschichte, ein Abbild der allgemeinen Geschichte ist.

Es gibt kaum ein Ereignis, eine Entwicklung, eine Strömung oder Erschütterung, eine Epoche der allgemeinen deutschen Geschichte, die sich nicht in der Geschichte dieser Kirche und dieser Stadt widerspiegelt, oder anders gesagt: Es gibt kaum ein Faktum der deutschen Geschichte, das sich nicht mit Beispielen aus der Geschichte dieser Stadt und dieser Kirche konkret belegen, illustrieren und lokalisieren lässt.

Mir scheint, dass das durchaus kein Regelfall deutscher Städte und städtischer Kirchen ist. Umso eher scheint die gesellschaftliche Akzeptanz der nachhaltigen Sicherung und Bewahrung dieses Dokuments der eigenen Mindener Geschichte und zugleich eines Zeugnisses der deutschen Geschichte für notwendig und unabweisbar zu sein. Wer heute tatsächlich vorhandene Bildungsdefizite feststellt, sollte sich daran erinnern, dass Bildung nicht nur etwas mit Geld, sondern untrennbar auch mit Kultur zu tun hat und diese wiederum mit Geschichte.

Das ist nicht ganz neu, diese Erkenntnis wurde schon von dem niederländischen Kulturphilosophen Johann Huizinga auf die Formel gebracht: „Geschichte ist die geistige Form, in der sich eine Kultur über ihre Vergangenheit Rechenschaft gibt.“

Mehr noch aber, als Kultur und Geschichte zu akzeptieren, ist es, sie zu bewahren. Als „ehrenvoll“ und „beispielhaft“ sollte man im vielzitierten Wertekanon vermerken, wenn Einzelne aus individueller Verantwortung für das „bonum commune“ einer Stadt oder Region die Bewahrung der Kultur- und Geschichtszeugnisse materiell unterstützen, wie z.B. diese aus Porta-Sandstein gebaute Kirche St. Martini, hier gleich nebenan.

Die Stiftung


Die Stiftung "Baudenkmal Ratskirche St. Martinikirche zu Minden" ist gegründet worden zum Zwecke der Beschaffung finanzieller Mittel. Diese werden ausschließlich zur Erhaltung und Unterhaltung sowie Erneuerung des Baudenkmals einschließlich seiner Kunstschätze und Ausstattungen eingesetzt.

Sie ist eine allgemeine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts im Sinne des Stiftungsgesetzes Nordrhein-Westfalens. Nach einem Schadenskataster aus dem Jahre 2002 fehlen allein zur Restaurierung des Außenmauerwerkes und des Daches des Baudenkmals "Ratskirche St. Martini" 1,7 Millionen Euro. Die Finanzkraft der Kirchengemeinde reicht bei weitem nicht aus, solch Kostenhöhe aufzubringen. Dafür wurde die Stiftung gegründet, um langfristig durch Spenden und Unterstützungen diese Kostenlast durch viele Hände tragbar zu gestalten und das Baudenkmal der Allgemeinheit zu erhalten.
Der offizielle Gründungsfestakt zur Errichtung der Stiftung fand am 17.11.2006 in der St. Martinikirche statt. Den Erststiftern wurde die Stiftungsurkunde für Mindens Ratskirche durch einen Vertreter der Bezirksregierung überreicht. Am Festakt nahmen etliche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Politik, Kirche, Wirtschaft und Verwaltung, wie der Bürgermeister der Stadt, teil.

Rückblick 2008 - Ein gutes Stück Minden bewahren. - Rückblick 2008