Rückblick 2010 - Stiftung "Baudenkmal Ratskirche St. Martini zu Minden" - Rückblick 2010
Logo Stiftung

Rückblick 2010


Hände
geben und nehmen,
Hände
beten und segnen,
Ihre offenen
Hände
unterstützen, was zur Schönheit der Stadt gehört.

Ein gutes Stück Minden bewahren.




Laudatio zur Verleihung des Bürgerpreises 2009 vom 17. März 2010
20. Orgeltage 2010 vom 7.11. - 21.11.2010 in der St. Martinikirche


"Laudatio vom 17. März 2010 zur Verleihung des Bürgerpreises 2009 des Vereins "Mehr Minden"
an Herrn Peter Witt in der Ratskirche St. Martini zu Minden durch Herrn Dr. Heinrich Winter."

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

erlauben Sie mir, zu Beginn meine Wertschätzung für diese Veranstaltung mit einem gewiss nicht neuen und auch nicht originären Appell zu verbinden. Es gilt ein trotziges Bekenntnis für die Kultur in dieser alten Bischofs- und Hansestadt an Politik und Wirtschaft immer wieder neu zu richten. Eine aufgeklärte Bürgerschaft steht mit ihrem Bürgerpreis in dieser Stadt in guter Tradition. Nicht nur seit der Einführung der Reformation, aber mit ihr in ganz besonderer Weise gilt es die Künste, deren Basis handwerkliches Können ist, öffentlich, also in der Polis ganz oben an zu stellen. Mit ihnen bewahrt sich ein Gemeinwesen ein waches Geistesleben. In Zeiten weg brechender Gewerbesteuereinnahmen auf der einen Seite und explodierender Sozialkosten auf der anderen Seite, auch nichts Neues in der 1200-jährigen Geschichte Mindens, wird seit Jahren von verzweifelten Stadträten und Kämmerern notgedrungen über den Wegfall sogenannter freiwilliger Leistungen diskutiert. Dazu gehört eine bröckelnde Verantwortung für die Kultur in der jeweiligen eigenen Kommune. Das gilt für Minden nicht spezifisch. Es ist von den Politik- und Wirtschaftszentren abgesehen, ein flächendeckendes Phänomen. Vielleicht lohnt es sich doch, wenn in Minden trotz aller auch zu bedenkenden Einwände neben dem vorhandenen sozialen Stiftungsengagement eine potente Kulturstiftung ins Leben gerufen würde, die diese Kommune schön und lebenswert macht.
Benjamin Franklin jedenfalls wäre stolz auf diese Stadt Minden an der Weser über eine von allen Bürgern und Bürgerinnen geförderte Stiftung. Nicht anders hat dieser Pioneer für ein freies und gebildetes Gemeinwesen einst seine Stadt Philadelphia reich gemacht. Das Institut eines Bürgerpreises für Menschen, die sich mit ihrem kulturellen Engagement zur Förderung des Allgemeinwohls einbringen, steht ganz in der Tradition dieser Geisteshaltung. 1749 veröffentlicht der 43-jährige höchst angesehene Unternehmer in seiner Wahlheimatstadt Philadelphia am Delaware seine "Vorschläge zur Erziehung der Jugend in Pennsylvania (Proposals Relating to the Education of Youth in Pennsylvania)". Er legt dort sein Bekenntnis zu einem "public spirit" von freien Bürgern in einem freien Land ab. Gut ausgebildete Menschen sollten auf spielerische und vergnügliche Weise gelernt haben, sich dereinst als für alle nützlich und zur Beförderung der "happiness" des eigenen Gemeinwesens zu erweisen. Ein solches auf Gemeinnützigkeit zielendes Tun zeichne sich durch eine besondere Schönheit aus, so der weltoffene Autodidakt nonkonformistischer Auswanderer vor gut zweieinhalb Jahrhunderten.
In dieser Tradition ist die Freiheit des Einzelnen das Maß eines gelingenden Gemeinwesens. Dieser Freiheitsimpuls ist an die Überzeugung gebunden, dass es  diese ewige Kraft gibt, die aus "selbstverschuldeten Unmündigkeiten" befreit, wie es die Aufklärung mit dem klugen Königsberger Immanuel Kant etwa auch formuliert hat. In dieser Tradition sehe ich die Bemühungen stehen, die sich ein Verein zur Förderung des 1200-jährigen Mindens zur Aufgabe gemacht hat. Es werden Menschen auszeichnet, die sich mit ihrem kulturellen Engagement darum kümmern, den aufrechten Gang, den offenen Blick, die furchtlose Stirn, das warme Herz, den wachen Geist, die freie Lust zur "happiness des eigenen Gemeinwesens" zu wecken.
Von diesem Wind einer "wuchtigen Freiheit" in der Seele bewegt, sehe ich den Preisträger 2009 geführt. Dem 8-jährigen Peter in Münster, im Unterricht des ungarischen Pianisten Imre Szendrei, rollen Tränen der Rührung über die Wangen als er zum ersten Mal das Klavierkonzert in a-moll von Edvard Grieg hört und eine Frage lässt den sensiblen Jungen bis heute nicht mehr los: "Was ist da so schön?" Was passiert da, wenn Töne zu einander finden in Gesetzmäßigkeiten von unendlicher Variation? "Es ist mir fast das Herz zersprungen. Du hörst und siehst eine klare Landschaft und du begreifst: Alles ist Schöpfung". So sagt es der mit Sehnsucht nach dem Schönen und Wahren und Guten schmerzgeprüfte Künstler heute und das Staunen hat ihn nicht verlassen.
"Alles Schöne ist schwierig", sagt Philipp Melanchthon, dessen 475. Todestag wir in diesem Jahr begehen und an den ich ganz nebenbei in dieser Kirche der Mindener Reformation erinnern darf. "Alles Schöne ist schwierig", sagt der sensible 21-jährige Gelehrte seinem Universitätskollegium und den Studenten bei seiner Antrittsvorlesung 1518 in Wittenberg. Der fromme Humanist und Gräzist meint, alles Schöne kostet Mühe, Geduld, Einsatz, Hingabe. Und er begegnet einem Einwand, der heute nicht weniger im Schwange ist, nämlich dass das Studium des Schönen im Verhältnis zu seiner Schwierigkeit einen zu geringen Nutzen erbringe. Doch, so Melanchthon, wer sich dieser Anstrengung aussetze, der erfahre, dass sich alle Mühe in einem ganz anderen Sinn lohne. Denn am Ende werde der ins Staunen geführte selbst der sein, der ins Leben getragen ist. Und er wird seine Erkenntnis nicht bei sich behalten können. Als einer, der sich mit den Erkenntnissen des Schönen beschenkt sieht, will, ja muss er andere beschenken.
Wer staunt verlässt sich selbst und dieses immer wieder neue sich selbst Verlassen müssen, aus sich herausgehen müssen, führt in ein sich Mitteilen müssen. Pit Witt ist ohne sein Staunen nicht zu ehren. Kommunikative Fragen gehen mit ihm. Hast du das auch gehört und gesehen? Spürt ihr die Botschaft dieses Akkords? Seht ihr wie das Motiv durch Spannung und Entspannung in Harmonien und Disharmonien geführt ist, den Reibungen und dem Lauten ausgesetzt ist? Der Münsteraner Knabe Peter war dabei, als dieser Arturo Benedetto Michelangeli den Zweiten Satz des 1. Klavierkonzerts von Johannes Brahms wie ein Dankgebet gespielt hat als hätte der Meister die himmlische Güte von Angesicht zu Angesicht schon gesehen. Später versucht sich der 17-jährige selbst an diesem Werk an der Musikhochschule in Detmold. In großer Rebellion habe er das katholische Münster verlassen. Nein, er durfte als evangelischer Schüler die Orgel in der Kirche seines katholischen Freundes Bernward nicht spielen und heimlich unerkannt nahm er doch die Eucharistie mit dem Freund. Dem Heiligen nahe sein, dem Geheimnis einer hinter allem wehenden Liebe begegnen, dahin zieht es den begabten Jungen und dahin will der heute Geehrte nach fünf Jahrzehnten Mühen um das Schöne seine Mitmenschen ziehen. Er will sie anwehen lassen von der Unendlichkeit. Sie, sagen die Mystiker, ist ganz im jeweiligen Augenblick da. Das kann ein leises Wehen sein und auch ein unbändiger Feuersturm sein, wie bei Elia, weil diese Macht der Schönheit und Wahrheit Verkrustungen löst und lösen will. Es waren in Pit Witts Jugendjahren große Menschen, die ihm seine Hör-Begeisterungen klug lenkten. Reinhard Peters und Alfred Walter, Münstersche Generalmusikdirektoren, sie holten die Popstars nach Münster, Swjatoslaw Richter, David Oistrach und andere Begnadete. Der am Paulinum mit seiner humanistisch-musischen Ausrichtung zufriedene Schüler durfte bei den Empfängen mit dabei sein, wurde in die kostbare Demut derer geführt, die mit dem Wunder unterwegs sind und waren. 
Von dieser wuchtigen Freiheit will Pit Witt berührt bleiben. Und er hat seit dreißig Jahren viele Menschen in dieser Stadt in Hörräume geführt, die ihnen das Leben reicher, die Trauer gelöster und den Tanz feuriger haben erfahren lassen. Als der noch jugendliche Mann nach seinen ureigensten musikalischen Herzbotschaften in Köln auf der Suche ist, begegnet er dem Jazz, auch lateinamerikanischen Musikern. Da spürt er diesen Wind der Freiheit in der Verwandlung der "Miroirs" seines geliebten Ravel oder etwa seiner frühen Begegnung mit Debussys "La mer". Mit diesen klassischen Welten einst geöffnet, hört er die Wahlverwandtschaften der Klänge in diesen ganz anderen Musiktraditionen. Er lernt sie lieben. Im Spiegel dieser auf hohem Niveau bei Prof. Harry Höfer einst studierten Klassik spürt Pit Witt dann als 20-/21-jähriger die Realität einer Erkenntnis, die Duke Ellington für den Jazz so sagte: Jazz ist die Freiheit, viele Formen zu haben. Das mag auch für die sogenannte Ernste Musik zutreffen. Denn die Improvisation ist keine Erfindung in New Orleans und in New York. Aber nun packen Pit Witt dieser Sound, diese Rhythmen, diese Lust in den kleinen Kaffees in der Zülpicherstraße der Kölner Südstadt unter anderem mit Enrique Díaz und seinem chilenisch-melodischen Kontrabass. Der Gesang begegnet ihm wieder in kammermusikalischen Arrangements, in chorischen Präsentationen. Da glüht wieder, was in Pits kindlicher Seele längst glimmt und sich mit glockenhellem Sopran bis ins 16. Lebensjahr hinein einst Luft gemacht hat. Vieles, was den Mindener Künstler mit dem Bürgerpreis der Stadt Minden ehrt, hat seine Wurzeln in diesen Tränen des Jungen und dem Wunsch dieser Rührung immer und immer wieder zu begegnen, seit langem nun inzwischen gemeinsam mit vielen Anderen zu begegnen. In Jean-Jacques Rousseaus Bildungsroman "Emile" sind es die Tränen des Mitfühlens, die ein besonderes Wissen in sich tragen. Es ist dieses Wissen, das dem apprendre vivre, dem "Leben lernen", einen Raum geben will. Rousseau klärt uns auf: "Erst die Tränen", sagt er, "machen uns also gesellig, befreien uns füreinander. Aus den Tränen der Rührung entstehen Güte, Menschlichkeit, Mitgefühl, Wohltätigkeit, das heißt alle liebenswerten und sanften Triebe".
Ist es das, was Pit Witt so beliebt macht, seine grundständige Freundlichkeit, gehalten im Respekt vor dem Anderen, denn es könnte immer auch sein, dass in jenem Menschen der ganz andere und die ganz andere begegnet, die nötig sind, um selbst in den Raum des Schönen weiter geführt zu werden. Das Leben lernen mit dem Jazz-Chor und den kammermusikalischen Arrangements, der Produktion von Filmmusik und musikalischer Bühnenbegleitung, im christlich-jüdischen Dialog, in den Begegnungen der Städtepartnerschaften der Stadt Minden, bei den Mindener Jazz-Gottesdiensten und Ökumenischen Ratsgottesdiensten, auf dem Evangelischen Kirchentag und überregionalen Musikfestivals, gleich wo, das Leben lernen in der Hoffnung, dass sich immer wieder Menschen bereit finden mit ihm, dem von Liebe verwundeten, die weltweit gehörten Klänge vom himmlischer Güte aufnehmen zu wollen. In Melodien und Rhythmen bewegt zu sein und andere mitzubewegen, Worte der Freiheit und der Wärme, der Bitternis und der Freude in Musik gehüllt, "spielerisch und vergnüglich" in die Enge und Kleinheit alltäglicher Gewohnheiten zu tragen, um diese zu weiten, das ist wohl ein starkes Movens des heute geehrten Künstlers.
Ich besuche Pit Witt zur Vorbereitung auf diese Preisverleihung. Es liegt eine CD von Alf Houkom auf: Rune of Hospitality. Pit übersetzt mir die gesungenen Worte: "...ich stelle Essen hin, wo man isst, ich stelle etwas zum Trinken, wo man trinkt, ich breite die Musik aus, wo man hört. In den Namen der heiligen Trinität, so bewirtet er mich, meine Tiere und meine Lieben und die Lerche sagt in ihrem Lied: Oft, oft, oft, geht Christus im Gewand eines Fremden." Was ist das für ein Akkord, frage ich, hier dieser Akkord, den ich nicht benennen kann. Pit geht zu den Tasten, fis-moll eine kleine Sept, eine große None, eigentlich zwei übereinander liegende Dreiklänge und hörst du, der Akkord braucht kaum eine Auflösung, nur dieser eine kleine Ton vielleicht, hier, eine Auflösung, die alles offen lässt." Seine Augen wandern begeistert die inneren Notenlinien auf und ab und das Staunen, dem das Nachsinnen eigen ist, schaut mich an. Ich versuche zu verstehen, versuche auch den fremden Tönen in mir einen Ort zu geben, dass sie mich bewirten. So wird es inzwischen weit über den Mindener Raum hinaus vielen ergangen sein, die sich dem Dirigat Pit Witts anheim geben und gegeben haben oder die eigenen solistischen Fähigkeiten mit seiner Unterstützung entfalten konnten. Das Kind mit den besonderen Tränen des Wissens im gereiften Mann wird es bleiben, das den Kindern und Jugendlichen in der Mindener Musikschule das aufschließt, was wir Bildung nennen dürfen. Disziplin, Wissbegierde, Aufrichtigkeit zu fördern und zu fordern gehören auch dazu.

Lieber Pit,
auf deinem Jakobsweg nach Santiago de Compostella bist du alten Männern, einer Gruppe von Jesuiten Patres, begegnet. Du warst müde geworden, weiter zu gehen. Sie fuhren mit einem Bus zum Ziel der Pilgerschaft und deine Versuchung war groß, sie zu bitten, dich mitzunehmen. Als einer der frommen Alten diese Müdigkeit in dir entdeckte, wies er dich, mit deinen eigenen Füßen weiter zu gehen mit den Worten auf den Weg: "Peter, du gehst jetzt auch für uns". Die Mühen sind geblieben, auf eigenen Füßen weiter zu gehen. Aber die Leichtflüssigkeit deines Wesens, das Springen, die spontane Regung und kraftvoll-entschiedene Emphase, die dir der Engel deiner Geburt mit auf deinen Weg gegeben hat, waren wieder erweckt. Auch diese Gaben mögen die Mindener Bürger und Bürgerinnen weiter bewegen, wenn du sie mit Musik und Texten an Orten bewirtest, wo man hört. Denn oft geht Christus im Gewand eines fremden Liedes in einem fremden Menschen. Das haben dir in einer Phase deines Weiterstudierens in Amsterdam-Hilversum vor Jahren unter anderem besonders Nanni Byl und Roger Cicero mit ihren Songs auch ans Herz gelegt. Die Schönheit im Gewand des Fremden, der Fremden findet - Gott sei's gedankt - in dir immer wieder eine Heimat. Da sind Menschen in dieser Stadt und sie suchen dich bei deinen Zelten auf, um das Leben mit dir zu lernen. Du bietest ihnen das an im Jazz, im Gospel, in der Filmmusik und den Songs und Liedern für Theaterproduktionen, im Unterricht. Mögen sie dir und du ihnen gewogen bleiben.

Verehrte Anwesende, liebe Jury-Mitglieder, lieber Herr Lange,
erlauben Sie mir als ehemaligen Pfarrer an diesem Ort an eine nahe liegende Stelle im 1. Mosebuch (Kapitel 18, 3-5) zu erinnern. In dieser Urgeschichte schönster Menschenfreundlichkeit sinkt Abraham vor drei Fremden auf die Knie. In seiner freien, überaus freien Gottesfürchtigkeit sagt er Worte, die mir als Gleichnis zu dieser Ehrung passend erscheinen. Ich habe sie in anderer Form, aber in der Art und Weise der Begegnungen mit Pit Witt so erfahren. Es heißt dort vom Vater der drei Schriftreligionen, er habe die Fremden mit den folgenden Worten begrüßt: "Habe ich Gnade gefunden vor euren Augen, so geht nicht vorüber. Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen und lasst euch nieder unter dem Baum. Ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labt." Von solcher Freiheit bewegt, mag die Mindener Kulturszene bereichert bleiben, auch wenn alles Schöne schwierig ist.
Ich danke der Jury von "Mehr Minden des Vereins zur Förderung des 1200-jährigen Minden e.V." für diese Wahl, mit ihrem Bürgerpreis 2009 Pit Witt zu ehren, vor dem ich mich im Respekt vor seinen kindlichen Tränen verneige und damit letztlich vor dem, der uns in Räume der Schönheit leitet.
Ich danke Ihnen.



St. Martinikirche Minden Orgeltage 2010


20 JAHRE ORGELTAGE IN DER ST. MARTINIKIRCHE MINDEN

Sinfoniekonzert  -  Workshop  –  Uraufführung

Minden. Zum 20. Mal veranstaltet die St. Martinigemeinde Minden in diesem Jahr ihre „Orgeltage an St. Martini“, die zurückgehen auf die Jubiläums-Konzertreihe im Jahr 1991 anlässlich der 400-Jahrfeier der historischen Orgel in der St. Martinikirche.
Die künstlerische Leitung hat Wolfgang Lüschen.

Eröffnet werden die ORGELTAGE mit einem Sinfoniekonzert, in dem erneut Werke in der selten zuhörenden Besetzung für Orgel und großes Orchester zu hören sind – in diesem Jahr die 1. Symphonie d-Moll, op. 42, für Orgel und Orchester von Alexandre Guilmant und das spektakuläre Konzert es – Moll für Orgel und Orchester des US-Amerikaners Horatio Parker (1863 – 1919). Parker studierte zunächst in Boston, ab 1881 dann bei Joseph Rheinberger in München. Er machte sich sowohl als Organist wie auch als Dirigent weithin einen Namen. Zu seinen Kompositionsschülern gehört u.a. Charles Ives. Schließlich ist die Sinfonie d- Moll von Robert Schumann zu hören, die 1841 entstand und noch im Entstehungsjahr in Leipzig uraufgeführt wurde. Die zahlreichen Rezensionen bestätigen einhellig den großen Erfolg der Symphonie. So schrieb der Berichterstatter der Signale für die Musikalische Welt begeistert: „Diese Symphonie ist eine blühende, jugendfrische und höchst anmuthige Schöpfung; sie erfreut das Gemüth eben so sehr durch die Klarheit der Darstellung, als durch die frappante Originalität der Motive und deren Entwicklung.“ Die Ausführenden sind Christoph Grohmann (Rheda-Wiedenbrück), Orgel, und Mitglieder des Niedersächsischen Kammerorchesters Hannover unter der Leitung von Wolfgang Lüschen.

Chr. Grohmann an der Orgel
Bild: Per Monitor folgt Christoph Grohmann dem Dirigat Wolfgang Lüschens, der im Kirchenraum das Orchester leitet. Über Kopfhörer hört der Organist den Orchesterklang verzögerungsfrei.

Die Orgeltage werden fortgesetzt mit  dem mittlerweile traditionellen „Workshop für Organisten“ am 13. November um 10 Uhr, in dem den Organisten des Kreises Minden-Lübbecke und den Studenten der umliegenden Musikhochschulen die Begegnung mit einem der gefragtesten  Organisten Deutschlands ermöglicht wird. Zu Gast ist Prof. Dr. Ludger Lohmann von der Musikhochschule Stuttgart, der in einem Orgelkonzert am 14. November um 17 Uhr Werke von Johann Sebastian Bach, und Robert Schumann interpretieren wird.

Ludger Lohmann
Ludger Lohmann wurde 1954 in Herne geboren. Er studierte an der Musikhochschule und der Universität Köln. Seine Lehrer waren Wolfgang Stockmeier (Orgel) und Hugo Ruf (Cembalo). Weitere Orgelstudien führten ihn zu Anton Heiller nach Wien und Marie-Claire Alain nach Paris. Von 1979-1984 unterrichtete Ludger Lohmann Orgel an der Musikhochschule Köln, seit 1983 lebt und arbeitet er in Stuttgart als Professor an der Musikhochschule. Er konzertiert weltweit; Rundfunk-, Fernseh- und Schallplattenproduktionen dokumentieren seine Repertoirevielfalt mit den Schwerpunkten alte und romantische Orgelmusik. Ludger Lohmann ist ein gefragtes Jurymitglied vieler internationaler Orgelwettbewerbe. Ein zentrales Anliegen ist ihm das Unterrichten in seiner Stuttgarter Orgelklasse, die begabte Studenten aus der ganzen Welt anzieht. Gastprofessuren und Masterclasses führen in an zahlreiche Musikhochschulen und Universitäten  vieler Länder und zu internatio-nalen Orgelakademien.

„himmelwärts ...“ ist das Abschlusskonzert am 21. November überschrieben. Zu hören sind Werke für kleinen Chor, Holzbläser, Streicher, Harfe, Schlagzeug und Orgel von Johann Sebastian Bach, Johannes Brahms, Paul Hindemith, Malika Kishino, Olivier Messiaen, Walter Steffens, Sebastian Sprenger und Jörg-Peter Mittmann („vor des Wassers fließendem Gesicht“ für Ensemble und Stimmen, UA).Das Ensemble Horizonte Detmold gestaltet in diesem Konzert zum Ewigkeitssonntag gemeinsam mit Wolfgang Lüschen an der Orgel musikalische Dialoge zwischen Himmel und Erde. Das Ensemble, diesmal unterstützt durch den kleinen Chor „Tonart“, begibt sich dabei wieder in die Klangwelt der Moderne. Zwischen Walter Steffens experimenteller Annäherung an das großartige Rosetten-Fenster der Kathedrale Notre Dame in Paris aus den 1960er Jahren und Jörg-Peter Mittmanns soeben fertiggestellter Vertonung eines Gedichts aus Rainer Maria Rilkes „Sonetten an Orpheus“ spannt sich ein Bogen von Betrachtungen rund um das Thema Zeit, Grenze und Blick in die Unendlichkeit.

Eintrittskarten zum Chor- und Orchesterkonzert am 7. November sowie Gesamtkarten für alle Veranstaltungen der „Orgeltage“ sind ab dem 23. Oktober im Vorverkauf erhältlich in der Buchhandlung Otto, Großer Domhof 9, Tel.: 0571 – 22 192.



Die Stiftung


Die Stiftung "Baudenkmal Ratskirche St. Martinikirche zu Minden" ist gegründet worden zum Zwecke der Beschaffung finanzieller Mittel. Diese werden ausschließlich zur Erhaltung und Unterhaltung sowie Erneuerung des Baudenkmals einschließlich seiner Kunstschätze und Ausstattungen eingesetzt.

Sie ist eine allgemeine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts im Sinne des Stiftungsgesetzes Nordrhein-Westfalens. Nach einem Schadenskataster aus dem Jahre 2002 fehlen allein zur Restaurierung des Außenmauerwerkes und des Daches des Baudenkmals "Ratskirche St. Martini" 1,7 Millionen Euro. Die Finanzkraft der Kirchengemeinde reicht bei weitem nicht aus, solch Kostenhöhe aufzubringen. Dafür wurde die Stiftung gegründet, um langfristig durch Spenden und Unterstützungen diese Kostenlast durch viele Hände tragbar zu gestalten und das Baudenkmal der Allgemeinheit zu erhalten.
Der offizielle Gründungsfestakt zur Errichtung der Stiftung fand am 17.11.2006 in der St. Martinikirche statt. Den Erststiftern wurde die Stiftungsurkunde für Mindens Ratskirche durch einen Vertreter der Bezirksregierung überreicht. Am Festakt nahmen etliche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Politik, Kirche, Wirtschaft und Verwaltung, wie der Bürgermeister der Stadt, teil.

Rückblick 2010 - Ein gutes Stück Minden bewahren. - Rückblick 2010